Ne Seite pro Tag, oder auch alle zwei

Gar nicht so einfach, mit „A page a day“, irgendwie grätscht mir das Leben immer dazwischen. Dennoch ist es eine Herausforderung, die ich soweit wie möglich über den Sommer beibehalten will – eine Möglichkeit den inneren Kritiker mal auf die Ersatzbank zu schicken. Die tägliche Seite ist unzensiert und unüberarbeitet, dafür ohne Druck und ohne Perfektionsanspruch. (Den ich sowieso für überbewertet halte. Perfektion gibt’s nicht.)

Und dabei heraus kommt dann so etwas:

Ein greller Strahl von Sonnelicht
der Morgen hier, der Frühling nicht
zu kalt, zu hell, zu wenig Blüten
die Füße kalt, das Herz am wüten

Doch hab Geduld, dort kommt er schon
der Spring award, der Sonnensohn
trägt dich davon mit seiner Laune
fegt aus dem Kopf das dunkle Geraune

Jetzt bist du hell,
kannst dich nicht wehr’n
schlägst mit den Flügeln
und das zu gern.

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Tag 3 – a page a day

Später, als Inra neben Mark im Bett liegt, kreisen ihre Gedanken noch immer um den Tod. Mark, der dies nicht weiß, lässt seine Hand zu ihrem Bauch wandern und dreht dort mit Zeige- und Mittelfinger kleine Kreise. Mark, lebendig. Eindeutige Merkmale: Warme Hauttemperatur (das Blut zirkuliert also), Bewegung (wobei das auch Nerven-Reflexe sein könnten – siehe Hühner, die trotz abgeschlagener Köpfe fliegen), und haptische Wahrnehmung (zieht Inra den Bauch ein, hält Mikes Hand kurz inne, um zu erfassen, ob dies Ausdruck von Unwillen sein könnte). Marks Wahrnehmung gibt ihm das Signal, dass seine Fingerkreise erwünscht sind, feststellbar daran, dass er sogleich den Kreis des Ertastens erweitert. Mittel- und Zeigefinger fahren mit leichtem Druck südwärts, entdecken mühelos was sie suchen und verharrt dort. Weiterlesen „Tag 3 – a page a day“

Tag 2

In ihrer kleinen Stadtwohnung schleudert Inra ihre Schuhe von den Füßen, geht auf Strümpfen weiter in die Küche, holt eine Tüte Orangensaft aus dem Kühlschrank, den sie offen stehen lässt, hockt sich aus der Packung trinkend vor den alten Sekretär, den Mark auf dem Sperrmüll gefunden und im Keller restauriert hat, und holt einen dicken LEITZ-Ordner heraus, den sie seit fünfzehn Jahren nicht mehr zur Hand genommen. Abgesehen von Aufräumaktionen vielleicht. Ein zerfledderter Aufkleber haftet noch mühevoll an der Seite und trägt die mit Edding geschriebene Aufschrift: Dissertation. Mit Ordner und Safttüte kehrt Inra in die Küche zurück, kickt mit einem Ellbogen die Kühlschranktür zu und setzt sich an den Tisch, den Ordner ungeöffnet vor sich. Sie atmet ein, atmet aus, trinkt noch einen Schluck. Schlägt die Klappe des Ordners auf, starrt auf das Deckblatt. Weiterlesen „Tag 2“