Tag 3 – a page a day

Später, als Inra neben Mark im Bett liegt, kreisen ihre Gedanken noch immer um den Tod. Mark, der dies nicht weiß, lässt seine Hand zu ihrem Bauch wandern und dreht dort mit Zeige- und Mittelfinger kleine Kreise. Mark, lebendig. Eindeutige Merkmale: Warme Hauttemperatur (das Blut zirkuliert also), Bewegung (wobei das auch Nerven-Reflexe sein könnten – siehe Hühner, die trotz abgeschlagener Köpfe fliegen), und haptische Wahrnehmung (zieht Inra den Bauch ein, hält Mikes Hand kurz inne, um zu erfassen, ob dies Ausdruck von Unwillen sein könnte). Marks Wahrnehmung gibt ihm das Signal, dass seine Fingerkreise erwünscht sind, feststellbar daran, dass er sogleich den Kreis des Ertastens erweitert. Mittel- und Zeigefinger fahren mit leichtem Druck südwärts, entdecken mühelos was sie suchen und verharrt dort. Weiterlesen „Tag 3 – a page a day“

Tag 2

In ihrer kleinen Stadtwohnung schleudert Inra ihre Schuhe von den Füßen, geht auf Strümpfen weiter in die Küche, holt eine Tüte Orangensaft aus dem Kühlschrank, den sie offen stehen lässt, hockt sich aus der Packung trinkend vor den alten Sekretär, den Mark auf dem Sperrmüll gefunden und im Keller restauriert hat, und holt einen dicken LEITZ-Ordner heraus, den sie seit fünfzehn Jahren nicht mehr zur Hand genommen. Abgesehen von Aufräumaktionen vielleicht. Ein zerfledderter Aufkleber haftet noch mühevoll an der Seite und trägt die mit Edding geschriebene Aufschrift: Dissertation. Mit Ordner und Safttüte kehrt Inra in die Küche zurück, kickt mit einem Ellbogen die Kühlschranktür zu und setzt sich an den Tisch, den Ordner ungeöffnet vor sich. Sie atmet ein, atmet aus, trinkt noch einen Schluck. Schlägt die Klappe des Ordners auf, starrt auf das Deckblatt. Weiterlesen „Tag 2“

A Page a day

„Ihr Termin war am 17. Dezember, 2003. Schön, dass Sie es nach fünfzehn Jahren mal schaffen vorbeizuschauen.“ Prof. Wilson hebt den Blick von seinen Unterlagen und grinst Inra über den Rand seiner Brille an. Irritiert  schürzt die ihre Lippen. Was will er von ihr, soll sie jetzt lachen? „Wenn Sie mir die Frage erlauben …“, fährt Wilson fort, „… was hat sie damals von der Verteidigung Ihrer Dissertation abgehalten?“

„Meine Eltern sind mit dem Flugzeug abgestürzt. Also zwei Tage davor.“

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Okay, einatmen, entspannen und los…

… oder auch warum ich mich mit Hypnose beschäftige.

Ich würde gerne die Kontrolle haben. Immer. Möglichst. Möglichst immer. Das macht mich sehr anfällig für jede Art von Selbstoptimierungs-Literatur wie „The Secret“, „Der Weg des Künstlers“ oder „Du kannst alles schaffen, was du willst“. Wobei letztes meines Erachtens einen Fehler im Titel beinhaltet, denn unser Unbewusstes überwiegt angeblich mit 95 % den Anteil unseres bewussten Bewusstseins deutlich, wo sich aber wiederum die Willenskraft befindet. Im Unterbewussten sitzt dafür unser Glaube, also das, was wir als wahr empfinden. Und wenn der Glaube was anderes denkt, als der Wille will,  dann hat der Glaube schon gewonnen, bevor es in den Boxring geht. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht, wenn ich meinen neuesten Selbstoptimierungsbüchern glauben darf (und natürlich will!), denn auch das Unterbewusstsein ist beeinflussbar. Und zwar mit Hypnose. Fremdhypnose, Selbsthypnose, total wurscht, Hauptsache man befindet sich in einem tranceähnlichen Zustand und hat ein paar knackige Suggestionen parat, die das Unterbewusstsein auf Spur bringen.  Deswegen schreibe ich jetzt einen Blog. Weil mein Unterbewusstsein meinem Bewusstsein sagt, das dieses das jetzt bitteschön wollen soll. Also tu ich es. Jetzt. Hier. Tada.