Selfpublishing Day

architecture-3309203_1920Ich habe gewonnen. Ich gewinne nie und jetzt habe ich etwas gewonnen. Ein Ticket für die Selfpublisher Days im Mai. Ich sah die Ausschreibung, dachte »Knorke, genau das, was ich brauche« und habe mitgemacht. Schließlich plane ich selbst, als Selfpublisherin zu veröffentlichen und was wäre gescheiter, als eine Messe mit Profis zu besuchen, die meine Wissenslücken schließen können? Auf das Datum habe ich gar nicht richtig geachtet, irgendetwas mit Mai, mein Gehirn hat den 30. dazu fabuliert, »passt schon«, hab ich gedacht und das ich ja sowieso nie etwas gewinne. Zumindest nicht bei Preisausschreiben. Aber nun habe ich gewonnen, mich entsprechend gefreut und dann festgestellt, dass ich keine Zeit habe. Der Selfpubisher Day ist nämlich am 26. Mai und nicht am 30. Und da kann ich nicht. Gar nicht. Auch nix schieben.

Zunächst gefror ich in Scham (Oh Gott, dass muss ich denen jetzt ja sagen, wie peinlich!), dann fragte ich zwei Autorenkolleginnen, ob die statt meiner gehen möchten, aber die können auch nicht. Schließlich überwand ich mich und beichtete den Ausschreibern, dass ich nicht damit gerechnet habe zu gewinnen und nun leider dankend ablehnen muss. Fanden die jetzt auch nicht so tragisch, man nimmt sich dann halt doch immer wichtiger, als man ist. Nun darf jemand anderes dort hin. Ich habe derweil gleich noch einige weitere Preisausschreiben mitgemacht, den Lauf gleich ausnutzen! Das Schloss nehme ich auch. Ehrlich, ohne Wenn und Aber!

A page a day, Part 4

Als Inra später bei Mark im Arm liegt, ein Ritual, dass sie sich über die Jahre bewahrt haben, fühlt sie sich schuldig. Ihr scheint es, als verzichte er auf so viel und sie auf gar nichts. Fünfzehn Jahre sind sie nun ein Paar und Mark war immer für sie da. Hat sie aufgefangen nach dem Tod ihrer Eltern, hat sich nie gehen lassen und sieht immer noch gut aus mit seinem wuscheligen braunen Lockenkopf und auch das bisschen mehr Gewicht steht ihm gut. Schnarcht nicht, sowie andere Männer in seinem Alter, hat sie nie betrogen. Glaubt sie zumindest. Während sie erst ein Jahr getrauert, dann ein Jahr herumgereist ist, ewig keine Aufgabe und keinen Job fand, ihm keine Kinder schenkte. Und nun ist es zu spät. Welche vernünftige Frau wird mit fünfundvierzig schwanger? Weiterlesen „A page a day, Part 4“

Alle Jahre wieder…

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber seit sechs Wochen könnte ich im Stehen einschlafen. Nachdem ich kurz besorgt war, ich könnte einer schweren Krankheit erlegen sein (normalen Schnupfen halte ich grundsätzlich für ausgeschlossen, zu wenig „on the edge“, zu wenig Drama!), fiel mir jetzt auf, dass ich letztes Jahr zur selben Zeit auch unter dieser erschlagenenden Müdigkeit litt und das Jahr davor auch. Dank meiner Herzensfreundin Sigi führe ich ein 10-Jahre-Tagebuch, in dem jeder Tag des Jahres in zehn Zeilen untereinander steht und ich so täglich lese, was ich genau an diesem Tag vor einem, zwei und so weiter Jahren dachte und fühlte. Plötzlich werden Muster erkennbar, die man sonst vergessen würde. Weiterlesen „Alle Jahre wieder…“

Fragment / GELOBTES LAND

Unter meinem Fuß knackt es. Alarmiert halte ich inne und blicke nach unten. Auf dem staubtrockenen Boden liegt ein zerbrochener Zweig. Der Sturm letzte Woche muss ihn herübergeweht haben. Es ist das erste Mal, dass ich außerhalb eines Marktages in das geräumte Dorf komme und das Herz schlägt mir bis zum Hals. Manchmal suchen die armen Leute in den leeren Markthallen nach Resten; nach Getreidekörnern am Boden oder vergammeltem Gemüse mit einer ordentlichen Ecke. Weiterlesen „Fragment / GELOBTES LAND“

Ne Seite pro Tag, oder auch alle zwei

Gar nicht so einfach, mit „A page a day“, irgendwie grätscht mir das Leben immer dazwischen. Dennoch ist es eine Herausforderung, die ich soweit wie möglich über den Sommer beibehalten will – eine Möglichkeit den inneren Kritiker mal auf die Ersatzbank zu schicken. Die tägliche Seite ist unzensiert und unüberarbeitet, dafür ohne Druck und ohne Perfektionsanspruch. (Den ich sowieso für überbewertet halte. Perfektion gibt’s nicht.)

Und dabei heraus kommt dann so etwas:

Ein greller Strahl von Sonnelicht
der Morgen hier, der Frühling nicht
zu kalt, zu hell, zu wenig Blüten
die Füße kalt, das Herz am wüten

Doch hab Geduld, dort kommt er schon
der Spring award, der Sonnensohn
trägt dich davon mit seiner Laune
fegt aus dem Kopf das dunkle Geraune

Jetzt bist du hell,
kannst dich nicht wehr’n
schlägst mit den Flügeln
und das zu gern.

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Tag 3 – a page a day

Später, als Inra neben Mark im Bett liegt, kreisen ihre Gedanken noch immer um den Tod. Mark, der dies nicht weiß, lässt seine Hand zu ihrem Bauch wandern und dreht dort mit Zeige- und Mittelfinger kleine Kreise. Mark, lebendig. Eindeutige Merkmale: Warme Hauttemperatur (das Blut zirkuliert also), Bewegung (wobei das auch Nerven-Reflexe sein könnten – siehe Hühner, die trotz abgeschlagener Köpfe fliegen), und haptische Wahrnehmung (zieht Inra den Bauch ein, hält Mikes Hand kurz inne, um zu erfassen, ob dies Ausdruck von Unwillen sein könnte). Marks Wahrnehmung gibt ihm das Signal, dass seine Fingerkreise erwünscht sind, feststellbar daran, dass er sogleich den Kreis des Ertastens erweitert. Mittel- und Zeigefinger fahren mit leichtem Druck südwärts, entdecken mühelos was sie suchen und verharrt dort. Weiterlesen „Tag 3 – a page a day“

Tag 2

In ihrer kleinen Stadtwohnung schleudert Inra ihre Schuhe von den Füßen, geht auf Strümpfen weiter in die Küche, holt eine Tüte Orangensaft aus dem Kühlschrank, den sie offen stehen lässt, hockt sich aus der Packung trinkend vor den alten Sekretär, den Mark auf dem Sperrmüll gefunden und im Keller restauriert hat, und holt einen dicken LEITZ-Ordner heraus, den sie seit fünfzehn Jahren nicht mehr zur Hand genommen. Abgesehen von Aufräumaktionen vielleicht. Ein zerfledderter Aufkleber haftet noch mühevoll an der Seite und trägt die mit Edding geschriebene Aufschrift: Dissertation. Mit Ordner und Safttüte kehrt Inra in die Küche zurück, kickt mit einem Ellbogen die Kühlschranktür zu und setzt sich an den Tisch, den Ordner ungeöffnet vor sich. Sie atmet ein, atmet aus, trinkt noch einen Schluck. Schlägt die Klappe des Ordners auf, starrt auf das Deckblatt. Weiterlesen „Tag 2“

A Page a day

„Ihr Termin war am 17. Dezember, 2003. Schön, dass Sie es nach fünfzehn Jahren mal schaffen vorbeizuschauen.“ Prof. Wilson hebt den Blick von seinen Unterlagen und grinst Inra über den Rand seiner Brille an. Irritiert  schürzt die ihre Lippen. Was will er von ihr, soll sie jetzt lachen? „Wenn Sie mir die Frage erlauben …“, fährt Wilson fort, „… was hat sie damals von der Verteidigung Ihrer Dissertation abgehalten?“

„Meine Eltern sind mit dem Flugzeug abgestürzt. Also zwei Tage davor.“

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Okay, einatmen, entspannen und los…

… oder auch warum ich mich mit Hypnose beschäftige.

Ich würde gerne die Kontrolle haben. Immer. Möglichst. Möglichst immer. Das macht mich sehr anfällig für jede Art von Selbstoptimierungs-Literatur wie „The Secret“, „Der Weg des Künstlers“ oder „Du kannst alles schaffen, was du willst“. Wobei letztes meines Erachtens einen Fehler im Titel beinhaltet, denn unser Unbewusstes überwiegt angeblich mit 95 % den Anteil unseres bewussten Bewusstseins deutlich, wo sich aber wiederum die Willenskraft befindet. Im Unterbewussten sitzt dafür unser Glaube, also das, was wir als wahr empfinden. Und wenn der Glaube was anderes denkt, als der Wille will,  dann hat der Glaube schon gewonnen, bevor es in den Boxring geht. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht, wenn ich meinen neuesten Selbstoptimierungsbüchern glauben darf (und natürlich will!), denn auch das Unterbewusstsein ist beeinflussbar. Und zwar mit Hypnose. Fremdhypnose, Selbsthypnose, total wurscht, Hauptsache man befindet sich in einem tranceähnlichen Zustand und hat ein paar knackige Suggestionen parat, die das Unterbewusstsein auf Spur bringen.  Deswegen schreibe ich jetzt einen Blog. Weil mein Unterbewusstsein meinem Bewusstsein sagt, das dieses das jetzt bitteschön wollen soll. Also tu ich es. Jetzt. Hier. Tada.