K-3 oder „Kack nicht in dein Wohnzimmer“

Danke an Dr. Eckart von Hirschhausen für diesen schönen Satz! Ich habe etwas gebraucht, um zu entscheiden, ob dies der Anfang meines Blogbeitrages oder das Fazit werden soll, aber vielleicht wird es ja auch beides.

Was ist passiert? Eigentlich das, was schon seit dreißig Jahren bekannt ist: wir steuern auf einen Abgrund zu. Wer jetzt genervt aufhören will zu lesen: tu es nicht. Denn wir sind nicht hilflos! Im Gegenteil, wir haben die einzigartige Möglichkeit den Lauf der Dinge zu gestalten. Wir können Superhelden werden! Du, ich, wir alle. Das habe ich in den letzten zwei Tagen gelernt, auch wenn die Speaker – Wissenschaftler, Klima-Experten und Meteorologen das vielleicht weniger polemisch sagen würden. Denn Zukunft ist gestaltbar – auf jeden Fall für uns, die wir in einem freien, friedlichen, demokratischen System leben. Das Glück haben nicht alle und alleine deswegen sollten wir es als unsere Pflicht empfinden, in den Anzug zu steigen, das Cape umzubinden und uns voller Inbrunst in die Rettung der Welt zu stürzen. Ah, ah, ah, nix da. Keine Ausreden. Geht nicht, gib’s nicht mehr! Ich habe zwei Tage Experten und Wissenschaftlern zugehört und wenn es noch den kleinsten Zweifel in mir gab, dass es doch alles nur eine Zeitungsente ist und der Klimawandel „gar nicht so schlimm ist“, so sind diese nun beseitigt. ES GIBT KEINE DRINGENDERE HERAUSFORDERUNG FÜR UNS MENSCHEN. Basta.

Aber Herausforderungen sind bekanntlich dafür da, sie zu überwinden.

Also beginnen wir doch mal damit uns zu fragen, in was für einer Welt wir leben wollen. Das wäre nämlich die Voraussetzung für’s Gestalten. Okay, ich fange an: Ich möchte in einer Welt mit viel Grün um mich herum leben. Ich möchte auf meinem Weg nach Hause um fünf Uhr Morgens von einem Fest mit guten Freunden, Musik und Tanzen die Vögel zwitschern hören, und zwar so laut, dass sie mich nerven. Ich möchte in meinen Lieblingsgroßstädten atmen können und auf den Bordsteinkanten sitzend gute Unterhaltungen führen ohne Gefahr zu laufen von einem SUV oder einem Kleinbus umgemäht zu werden. Ich möchte bequem von A nach B gelangen in leisen, sauberen, pünktlich fahrenden emissionsfreien Verkehrsmitteln, die wie ein feingetuntes Uhrwerk organisiert sind. Ich möchte irgendwann Oma werden und mit meinen Enkeln im See schwimmen und dabei Fische beobachten. Ich möchte … (hier kommst du ins Spiel).

Dies sind Ideen, die mir spontan kommen. Wie großartig kann also die Zukunft sein, die wir noch genauer, noch detaillierter planen? Es ist jetzt die Zeit große Entwürfe an die Wand zu werfen. Nicht morgen und schon gar nicht in zehn Jahren. WIR, nicht DIE. Nur wenn wir wissen, was wir wollen, wissen wir auch, wen wir wählen können, wer am ehesten unsere Ideen umsetzt. Wir wissen dann auch, auf wen wir sauer sein sollten. Und ja, Wissen ist Macht!

Und während wir visionieren, fangen wir an, Teil des großen Plans zu werden. Ich gebe mal ein paar Vorschläge für den Anfang, die keinem weh tun: Zweimal die Woche auf Fleisch / Wurstwaren verzichten, einmal die Woche das Rad statt den Wagen benutzen (für die, die immer das Auto nehmen), coole Secondhand Läden ausfindig zu machen, die besten Tipps für faire Kleidung mit den Freunden austauschen… (Erweitere die Liste nach belieben). Im Einzelnen sind dies kleine unscheinbar daherkommende Handlungen, in der Masse ist es der Beginn einer Transformation. Und das ist es, was wir brauchen. Wird das schlimm? Nicht, wenn wir selber Teil der Umgestaltung sind. Anders, aber nicht zwangsläufig schlimm. Was aber mit hundertprozentiger Sicherheit zu einem schlimmen Ergebnis führt, ist die Alternative – weitermachen wie bisher. Dann war’s das mit dem Urlaub auf Sylt. Für. Immer. Das wird einigen wurscht sein, aber wenn die Sylter, plus ganz Ost- und Nordfriesland, plus Hamburg, plus Bremen, plus den Niederländern dann in Bayern wohnen möchten, weil ihr Zuhause sich in Atlantis verwandelt hat, dann werden wir das merken. Jeder von uns.

Hier die Metapher, die Herr Hirschhausen auf dem Kongress benutzte: Er fragte, ob es irgendjemand im Publikum gäbe, der regelmäßig in sein Wohnzimmer, in seinen „Livingroom“, kackt. Natürlich keiner. Nicht in den kleinen, innerhalb unseres Hauses, unserer Wohnung. Aber unsere Welt ist unser großer Livingroom. Wir haben keinen anderen. Außerhalb unserer Erde sind wir am Arsch, um mal bei der Metapher zu bleiben. Und so, wie wir niemals unser heimisches Wohnzimmer beschmutzen würden, müssen wir aufhören das große zu beschmutzen. Nicht für irgendjemanden. Sondern für uns. Um uns selber zu retten. Unsere Kinder. Unsere Haustiere. Das, was wir lieben. In anderen Worten: Let us be heros for more than one day! Und das belasse ich als mein Fazit.

Lesetipps: Das Magazin „Future Zwei“, sowie George Marshalls Buch: „Don’t even think about it: Why our Brains are wired to ignore climate change“. Wer sich für den K3 Klimakongress interessiert, hier der Link: https://k3-klimakongress.org/

 

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