Mel-an-schnee-lie

Heute früh begrüßte uns der erste Schnee und so hübsch und friedlich er sich auch gab, hat er mir eine merkwürdig melancholische Stimmung verpasst. Als hätte er irgendeine Idee oder Vorhaben zunichtegemacht. Hab ja eigentlich nichts gegen Schnee und dem Kater gefällt’s auch, solange er nicht raus muss und wir endlich die Heizung mal richtig anmachen, weil selbst ich mir jetzt nicht mehr vorgaukeln kann, dass es eigentlich noch ganz mild ist.

Und so schleppe ich diese Melancholie mit mir herum und sie zieht ein Beweis nach dem anderen an, dass heute aber auch wirklich ein öddeliger Tag ist: Termine die nicht klappen, Nachrichten die mir missfallen, der Liebste auf Reisen gegangen, um durch die Welt zu tanzen (im wahrsten Sinne des Wortes) und das Arbeiten ist zäh. Ich weigere mich zu schreiben, wird eh nur Schrott bei rauskommen. Ich tue mir selber leid, sehr, denn ich mag nicht demoralisiert sein. Und mit der Melancholie kommt der Gedanke um die Ecke geschlichen: Warum machst du es so kompliziert? Sei doch mit dem, was du hast und was du tust, zufrieden. Niemand zwingt dich, Bücher zu schreiben, dich selbst zu verwirklichen (vor allem, wer sagt, dass hier die Wirklichkeit verborgen liegt?), auf drei Hochzeiten und mehr gleichzeitig zu tanzen.  Werd‘ doch lieber gelassen älter, lasse überholte Erwartungshaltungen hinter dich, wen kümmert’s?

Mit einer entschiedenen Handbewegung wischt Engelchen Teufelchen von der Schulter, vielleicht verhält es sich aber auch genau anders herum, wer weiß das schon?

„Jetzt mal nicht schlapp machen“, kreischt es. „So’n Tag Melancholia wird dich wohl nicht vom Weg abbringen! Spinnst du???“

Ich drehe den Kopf weg und halte mir das linke Ohr zu.

»Wofür tust du’s?«, fragt das Engelchen herrisch. Ich lassen den Kopf hängen und murmel: „Weil es mich glücklich macht.“

»Lauter!«, befiehlt das Engelchen.

»Weil’s mich glücklich macht«, versuche ich es ein bisschen kräftiger.

»Noch lauter!«, brüllt das Engelchen.

»Weil’s mich glücklich macht!«, schreie ich.

»Was macht es dich?«

»Glücklich!!!«

»Und was muss man dann tun?«

»Weitermachen«, antworte ich.

»Passt«, sagt das Engelchen und hockt sich wieder auf meine Schulter, wo es augenblicklich in einen Tiefschlaf verfällt. Die Melancholie ist zwar nicht verflogen, hat aber eine Spur mehr Tango mit drin. Teufelchen streichelt mir betörend über die Wange.

»Hau ab«, sag ich.

»Geht nicht, ich wohn‘ hier«, antwortet es.

»Dann schlaf.«

Ein bisschen hampelt Teufelchen noch rum, aber schließlich bin ich ihm zu langweilig und auch er pennt ein. Bis zum nächsten Schnee vielleicht.

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