Advents-Spiel: Gewinne Band 2 als exklusiven Vorabdruck!

Ich habe mir ein Adventsspiel für euch ausgedacht (nix da mit staader Zeit!). Über die Adventswochen werde ich imer wieder kurze Abschnitte aus meinem Buch „Gelobtes Land – Hoop“ vorlesen. Einmal jedoch, wird der Text nicht aus HOOP, sondern aus GLOOV, dem 2. Band sein. Unter denen, die diese „eingeschleuste“ Lesung richtig bennen, verlose ich den zweiten Band als exklusiven Vorabdruck noch vor der Veröffentlichung im März ’19. Viel Spaß!

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Heute früh begrüßte uns der erste Schnee und so hübsch und friedlich er sich auch gab, hat er mir eine merkwürdig melancholische Stimmung verpasst. Als hätte er irgendeine Idee oder Vorhaben zunichtegemacht. Hab ja eigentlich nichts gegen Schnee und dem Kater gefällt’s auch, solange er nicht raus muss und wir endlich die Heizung mal richtig anmachen, weil selbst ich mir jetzt nicht mehr vorgaukeln kann, dass es eigentlich noch ganz mild ist.

Und so schleppe ich diese Melancholie mit mir herum und sie zieht ein Beweis nach dem anderen an, dass heute aber auch wirklich ein öddeliger Tag ist: Termine die nicht klappen, Nachrichten die mir missfallen, der Liebste auf Reisen gegangen, um durch die Welt zu tanzen (im wahrsten Sinne des Wortes) und das Arbeiten ist zäh. Ich weigere mich zu schreiben, wird eh nur Schrott bei rauskommen. Ich tue mir selber leid, sehr, denn ich mag nicht demoralisiert sein. Und mit der Melancholie kommt der Gedanke um die Ecke geschlichen: Warum machst du es so kompliziert? Sei doch mit dem, was du hast und was du tust, zufrieden. Niemand zwingt dich, Bücher zu schreiben, dich selbst zu verwirklichen (vor allem, wer sagt, dass hier die Wirklichkeit verborgen liegt?), auf drei Hochzeiten und mehr gleichzeitig zu tanzen.  Werd‘ doch lieber gelassen älter, lasse überholte Erwartungshaltungen hinter dich, wen kümmert’s?

Mit einer entschiedenen Handbewegung wischt Engelchen Teufelchen von der Schulter, vielleicht verhält es sich aber auch genau anders herum, wer weiß das schon?

„Jetzt mal nicht schlapp machen“, kreischt es. „So’n Tag Melancholia wird dich wohl nicht vom Weg abbringen! Spinnst du???“

Ich drehe den Kopf weg und halte mir das linke Ohr zu.

»Wofür tust du’s?«, fragt das Engelchen herrisch. Ich lassen den Kopf hängen und murmel: „Weil es mich glücklich macht.“

»Lauter!«, befiehlt das Engelchen.

»Weil’s mich glücklich macht«, versuche ich es ein bisschen kräftiger.

»Noch lauter!«, brüllt das Engelchen.

»Weil’s mich glücklich macht!«, schreie ich.

»Was macht es dich?«

»Glücklich!!!«

»Und was muss man dann tun?«

»Weitermachen«, antworte ich.

»Passt«, sagt das Engelchen und hockt sich wieder auf meine Schulter, wo es augenblicklich in einen Tiefschlaf verfällt. Die Melancholie ist zwar nicht verflogen, hat aber eine Spur mehr Tango mit drin. Teufelchen streichelt mir betörend über die Wange.

»Hau ab«, sag ich.

»Geht nicht, ich wohn‘ hier«, antwortet es.

»Dann schlaf.«

Ein bisschen hampelt Teufelchen noch rum, aber schließlich bin ich ihm zu langweilig und auch er pennt ein. Bis zum nächsten Schnee vielleicht.

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Lovelybooks Leserpreis

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Nominiert in der Sparte Jugenbuch, wie fein, ich freue mich! Jede weitere Stimme zählt, nur die mit vielen Nominierungen kommen weiter. Wer mit abstimmen / nominieren mag, hier entlang:

https://www.lovelybooks.de/leserpreis/2018/nominierungen/jugendbuch/

Auf „Buch nominieren“ klicken, Titel suchen, draufklicken – fertig. : )

Paris

Paris erinnert mich an New York. Ich dachte immer London wäre die europäische Stadt, die am ehesten vergleichbar wäre, aber das stimmt nicht. Ich habe vier Jahre in New York gelebt und ich liebe die Stadt, ihre Atmosphäre, ihre eigenwilligen Bewohner und den Herzschlag und ich habe nun seit langer, langer Zeit an einem anderen Ort ein ähnliches Grundgefühl gehabt. Verrückt, dass so leicht gewesen wäre mir abzuholen, was ich oft so vermisste, ohne erst acht Stunden fliegen zu müssen. Wie schön, es jetzt zu wissen. Sollte ich zukünftig in anderen Genres schreiben, komme ich hierher um mir Inspiration zu holen. Dystopien passen nicht zu Paris.

Heute ist der letzte Abend unserer ersten Mutter-Tochter-Städtekennenlern-Reise, etwas wehmütig, weil fast zuende, etwas vorfreudig, weil es zuhause auch schön ist und sehr, sehr dankbar für die Erkenntnis, die ich mitnehmen darf.

Teil 2: my own limitations

Ich hatte heute einen Aha-Moment. Vielen Dank auch an meine Freundin Gabi und unseren manchmal wirklich sehr erhellenden Morgen-Hunde-Runden!

Aber von Anfang an. Momentan arbeite ich in meiner Funktion als Hörfilm-Autorin an der Audiodeskription eines Films, der 1978/79 spielt und als Grundthema fehlende Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern hat. Ein toller Film mit einem klasse Drehbuch und fantastischen Schauspielern/innen. Ein Film, der mich auf vielen Ebenen packt (bin ich doch auch ein Kind der 70 iger / 80 iger Jahre), und der einem schmerzlich bewusst macht, dass das, was wir als Gleichberechtigung empfinden, noch sehr jung ist und das Ziel – hundertprozentige Gleichstellung von Mann und Frau – noch nicht erreicht. Und heute Morgen, bei der Gassirunde, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Was, wenn das, was ich im letzten Beitrag „my own limitations“ nannte, gar nicht „my own limitations“ sind, sondern vielmehr gesellschaftliche? Ist es vielleicht so, dass wir tief in uns drinnen glauben, dass es für eine Frau nicht angemessen ist, durch Arbeit reich zu werden? Bis 1975 brauchte eine Frau noch die Unterschriftserlaubnis ihres Ehemannes, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Das war nicht im Mittelalter, sondern die Realität vieler unserer Mütter. Wie viele Frauen kann ich aufzählen, die aus eigener Kraft reich geworden sind? Wie viele Unternehmerinnen kenne ich? Bei meiner Auflistung der Frauen, die durch Arbeit reich geworden sind, fielen mir folgende Namen spontan ein: Coco Chanel, J. K. Rowling, Elisabeth Gilbert, Edith Piaf, Ophra Winfrey, Rita Falk, Madonna – natürlich sämtliche Pop- und Filmstars (Letztere verdienen durch die Reihe weniger als Männer mit vergleichbaren Publikumserfolg) – also alles Frauen aus kreativen Berufen. Um reiche Top-Unternehmerinnen zu finden musste ich googeln. Eine Spiegel-Online-Ausgabe von 2017 listete die 11 erfolgreichsten Unternehmerinnen auf, davon sind sieben entweder durch Ehe oder Erbe an die Firmenspitze gekommen. Nicht missverstehen, um so etwas zu wuppen, muss man super intelligent, ehrgeizig und zielstrebig sein. Die Frage besteht einzig und alleine für mich darin, ob im kollektiven Bewusstsein so etwas wie ein „bä-bä“ auftaucht, wenn eine Frau Reichtum durch Arbeit erlangt. Und ob dies nicht unbewusst so viele von uns daran hindert unsere Arbeit wertzuschätzen. In Form von Geld. Denn wer will schon „bä-bä“ sein? Komischerweise fühle ich mich seit dem Gedanken befreit. Weil es heißt, dass es veränderbar ist. Weil wir mitten in einer neuen Welle der Emanzipation stecken, die an allen Ecken und Enden hoch schwappt. Frauen haben genug davon, die zweite Geige zu spielen. Sie wollen starke Kerle an ihrer Seite, mit denen sie sich positiv messen können. Gleichheit für alle. Auf Augenhöhe sein. Alles dürfen nichts müssen. Ohne Bä und Aber.

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My own limitations

Seit der Veröffentlichung meines Buches habe ich das Bedürfnis mich der Socialmedia Welt nur happy-preppy zu präsentieren. Bloß keine Schwäche zeigen, nicht zugeben, dass man morgens, mittags, abends Verkaufzahlen checkt und dann frustriert in die Tischkante beißt. Oder ein Rad schlägt, weil 1000 Seiten in der Online-Ausleihe gelesen wurden. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, denn ich habe mich gar nicht getraut, etwas zu erwarten. Ich wollte Lob, aber Geld – pfui deibel! – darum geht es hier gefälligst nicht! Lob bekomme ich, offenbar funktioniert hier das „Law of attraction“ ganz ausgezeichnet (und bitte jetzt nicht rückgängig machen, liebes Universum!!!). Aber Geld verdienen muss wehtun. Extrem anstrengend oder herausfordernd – auf jeden Fall irgendwie hart sein – man muss doch gefälligst spürbar etwas geleistet haben und nicht nur so neben dem Job und der Familie und dem Leben noch ein Buch schreiben und dann auch noch Geld dafür wollen. Bitte, wo kommen wir denn da hin! Nein, da habe ich mich ganz brav hinerzogen, dass bei mir nur der Schweiß auf meiner Stirn mit einem Cent pro Tropfen vergütet wird und sonst nix! Aber das da draußen in der Selfie-Welt, dem Nabelschau-Universum zugeben? Dabei finde ich Abziehbilder selber langweilig. Mag Ecken und Kanten, schräge Vögel, Eso-Eulen, Sucher und Finder, Stolperer und über-sich-selbst-Lacher. Steh-auf Männchen und Weibchen, die sich den Staub aus dem Gesicht wischen und mit Kriegsgebrüll ins nächste Projekt stürzen, sei es Häusle bauen, oder Firma gründen. Und ich weiß, dass das alles eine Frage des Glaubens ist: denke ich, dass der Champignon doch ein Knollenblätterpilz war, wird mir kotzübel und ich sehe grüne Kringel. Genauso kann ich Berge versetzen, wenn ich es denn nur für möglich halte. It’s all a question of my own limitations. Aber die haben leider auch eine lange Historie. Und dann fiel mir ein, dass es nur einen Weg raus gibt aus der Gedanken-Autobahn: kreativ sein. Kann alles sein, wobei ich ganz sicher nicht alles kann; Malen, singen, tanzen, schreiben, aus Müll Skulpturen bauen. Ich bleib beim Schreiben für heute. No limitations hier. Mein Wort, meine Gedanken, alles erlaubt, muss nicht glänzen. Schon spüre ich ein Lüftchen um die Nase. No limitations, nichts wollen. Und da grinst sie mich von der Seite an: Freiheit. Puh, wie gut, dass es das gibt.

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Stille.

Plötzlich ist es so still um mich herum. Der Sommer vorbei, die Aufregung auch, der Alltag zurück. Auf leisen Sohlen herangeschlichen, als es wild um mich schäumte. Eigentlich ganz schön. Während ich Hoop noch im Arm wiege, linse ich in Richtung GLoov, in Vorfreude auf den November, diesem windigen, nebligen, kuddeligen Monat, in dem ich mich endlich wieder ans Schreiben setze, um Gloov zu Ende zubringen. Danach beginnt mein Lieblingspart, das Überarbeiten. Ich rieche jetzt schon den Tee, den ich dabei trinken werde, schmecke die Kekse, ohne die ein ordentlicher Schreibtag einfach nichts ist, höre den Wind vor dem Fenster rauschen. Hach, das wird schön. Aufregung ist prima für eine Zeit lang, aber schreiben, abtauchen, Worte finden – das ist es, worum es eigentlich geht. Worum es für mich geht. Das andere ist das Lametta.